Kultur & Tradition

ISBN: 978-3-7059-0084-4
3. Aufl., 14 x 21,5 cm,
232 Seiten, 90 Abbildungen

Steirisches Mundart-Wörterbuch

Autoren: Konrad Maritschnik unter Mitarbeit von Karl Sluga

Der Dialekt als Ausdrucksmittel: Fast alle Bundesländer Österreichs haben ihr spezielles Mundartwörterbuch. So hat auch die Steiermark eine Reihe von Wörterbüchern. Doch eines, das die Dialektausdrücke an erster Stelle platziert, gab es bislang nicht. Diese Lücke zu schließen, beabsichtigten die beiden Autoren, als sie daran gingen, das nun vorliegende Mundart-Wörterbuch zu erstellen. Manche Ausdrücke unseres Wortschatzes reichen zu den Anfängen unserer Sprache zurück und sind älter als jene tausendjährige Eiche in Bierbaum (Oststeiermark), die im Buch abgebildet ist. Die Sprache ist etwas „Lebendiges“, Wechselhaftes. Trotz gegenteiliger Tendenzen haben sich bis in unsere Gegenwart Mundartausdrücke erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass uns neben einer Flut von Fremdwörtern auch der Dialakt in seiner Ausdruckskraft zur Bereicherung unserer Sprache erhalten bleibt.

ausgfuchst / ausgefuchst, trick­reich, pfiffig – – – Bercht, Percht (mhd. bärcht = glänzend, strahlend), „Frau Bercht“, Name einer weiblichen „Spukfigur“, die zum Jahreswechsel tätig ist – – – Bißgurn / Bißgurre (mhd. gurre = schlechte Stute), zänkische, bissige Frau oder neuere Forschung: tschech.-poln. piskora = stacheliger Fisch – – – Bochmulta / Backmulter (Multa steht im Zusammenhang mit Mulde und wird entlehnt von ahd. mulhtra, mhd. moulte[r], multer, multe, Backtrog; Multa war ein altes Melkgefäß und ähnelte in seiner länglichen Form einem Mehl- und Backtrog) – – – Deichsl / Deichsel (mhd. dihsel, ahd. dihsala = aus einer oder zwei Stangen bestehender Teil des Wagens), Stange am Karren oder Wagen zum Anschirren der Zugtiere, zum Ziehen und Lenken – – – Egart (mhd. egerde = Brachland), brachgelegter Acker, Feld, Graswirtschaft mit abwechselnd Getreide- und Grünfutteranbau – – – Feign zoagn / Feige zeigen, bei geschlossener Faust zwischen dem Zeige- und Mittelfinger den Daumen durchstecken; boshafte Geste – – – Foutzn / Fotze, Ohrfeige, Tiermaul – – – Fuchtl / Fuchtel (frühnhd. fochtel, fuchtel = breiter Degen, zu fechten), herrschsüchtige, zänkische Frau – – – Gjoad, Gejaid / „Gejeide“ (mhd. jagede, zusammengezogen zu jeide: das Wilde Gjoad), Jagd, Jagdgesellschaft, lärmende Unterhaltung, Gestalten, die nachts im Wald und an Stellen mit Grenzstreitigkeiten miauend und bellend umherziehen – – – Goarrn / Karren (mhd. karre, ahd. karro, lat. carrus = Wagen), zwei­rädriger Wagen (Heigoarrn, Mistgoarrn ...) – – – Gspusi (ital. sposo = Bräutigam, sposa = Braut, zu sposari = sich verloben), Liebelei, meist kurzfristige Liebschaft – – – Hulaß (ahd. hornaz, zu Horn), Hornisse, größte mitteleuropä­ische Wespe – – – ibadhaps, iwadhaps / überhaupts, ungenau, oberflächlich, ungefähr, beim Viehhandel (früher): „ibadhaps vakafn“ = ein Stück Vieh zu einem bestimmten Preis verkaufen, ohne es zu wägen, das Gewicht wurde nur geschätzt – – – Jungfraunhoar / Jungfrauenhaar, Zittergras – – – Kochl / Kachel (mhd. kachele, ahd. chachala = irdener Topf, irdenes Gefäß, zu einer vlat. Nebenform von caccabus = Tigel, Pfanne, griech. kakkabos = [dreibeiniger] Kessel), meist viereckige, glasierte Platte aus gebranntem Ton; Nachtgeschirr (spött. „Mitternachtsvase“) – – – Laikauf / Leitkauf (mhd. litkouf, aus lit = Obst-, Gewürzwein und kouf = Kauf), Dienstabschluß zwischen Bauern und Dienstboten (meist mit einem Kaufvertrag durch Angeld und einem guten Trunk); Drangeld geben und Drangeld nehmen mit der Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme; Trunk, mit dem der Abschluß eines Vertrages oder Handels bekräftigt wird – – – Moudl / Model (zu lat. modulus = Maß, Maßstab), Gußform für Metall, Wachswaren, Mehlspeisen und Butter; holzgeschnitzte Form, Schuhvorlage (Loaß, Loast) – – – Oblaß / Ablaß (mhd. ahd. ablaz = Nachlaß von Sündenschuld, zu oblazan = erlassen, vergeben), kirchlicher Nachlaß von zeitlichen Strafen; Vorrichtung für den Wasserablaß beim Waschbecken – – – pfuttan / „pfuttern“, kichern; lamentieren („Sie pfuttat schoa wieder“) – – – Sauschneiderbier, Mischung aus Bier und Met – – – Stehr / Stör (mhd. store = Storung, zu stören [der Handwerker störte die allgemeine Zunftordnung]), handwerkliche Arbeit im Hause des Auftraggebers gegen Kost, Quartier und geringen Tageslohn – – – Tochtl / Dachtel / Tachtel (mhd. daht = „Gedanke“, hier „Denkzettel“), Ohrfeige, Schlag auf den Kopf oder ins Gesicht mit der flachen Hand – – – urassn / urassen (mhd. urezzen = gierig essen, herumliegen lassen, regional Uraß = Speisereste, mit Nahrungsmitteln verschwenderisch umgehen, vergeuden – – – Vagötsgoutt / Vergeltsgott, Trittbrett beim Tisch – – – Zouttl / Zottel (mhd. zote = Haarbüschel, Zottel), Schimpfwort für ausschweifend lebenden Menschen; früher auch für herumziehende Bettler, Landstreicher

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Rezensionen:

Gleich vorweg: Nach Vorwort, Einleitung und Hinführung (bis Seite 20) schenkt uns das Buch

  • 1. den Wörterbuchteil (Seite 21–151); es folgen
  • 2. literarische Kostproben von Mundartgedichten aus verschiedenen Regionen der Steiermark mit kurzen Autor/inn/enbiografien (Seite 143–199) und
  • 3. ein bemerkenswerter, museal aufbereiteter Bildteil als Grundlage für die Begriffswelt bäuerlicher Gerätschaften und Bauten (Seite 200–229).

Abgeschlossen wird das Werk mit zweckdienlichen Literaturhinweisen, mit einem Abbildungsnachweis und dem Autorendank.
Daraus lässt sich ersehen, dass der Benutzer dieses interessanten und sehr schön gestalteten Werkes vor allem ein wirklich kompetentes Nachschlagewerk in Händen hält. Der lexikalische Teil bietet wohl jedem Mundartbegriffsucher eine Fülle an heimischen Ausdrücken. Ich wüsste eigentlich nicht, welches Wort sich da nicht fände. Und das Beglückende dazu: Jeder Begriff wird sehr präzise und knapp umschrieben, erklärt und gedeutet. Selbst Herkunftsverweise fehlen nicht.
Ein sehr guter Einfall war es wohl auch, 26 Literaten durch ihre Mundartgedichte zu Wort kommen zu lassen. Da finden sich Heimatdichter wie Rosegger, Wölger, Grogger, Kloepfer, Maier, Seidl, Maritschnik, Strohmeier, Skala neben vielen anderen, die Leben, Land und Leute unserer Heimat treffend besingen. (Bei dem Gedicht von Hans Kloepfer – "Bauernhausen" – Seite 159, möchten wir unseren Lesern gleich die 4. Verszeile, die im Buch fehlt, nachreichen. Es soll nach ..."bockstara Lodn!" als nächste Zeile heißen: die Pfluagschoar kreistet "truckna Bodn!")
Eine Fundgrube besonderer Art stellt der von K. Maritschnik zusammengestellte, kommentierte und begrifflich bestimmte, mit Schwarzweißfotos belegte dokumentarische Teil dar. Er ist mit dem Titel "Landwirtschaftliche Begriffe aus der vorindustriellen Zeit in Bild und Wort" überschrieben und berührt neun gesonderte Sparten (Ackergeräte, Geschirre für Zugtiere, Transportmittel, Werkzeuge für Heu- und Getreideernte sowie Trockenvorrichtungen, Mühlen und Pressen, Gefäße und Haushaltsgeräte, Werkzeuge und Verschiedenes, Zäune und Tore.) Durch diese Darstellung im Buch hat man beinahe ein volkskundliches Kleinmuseum zu Hause.
Neben der vorbildlichen Leistung der beiden Autoren Mag. Maritschnik und Prof. K. Sluga besticht auch die gekonnte Aufmachung. Dieses Buch sollte wahrlich in der Hand jedes Lehrers, jeder Lehrerin und in jedem steirischen Haushalt zu finden sein. Es erfreut jene, die das Vergangene noch gut in Erinnerung haben und es beglückt auch den Jüngeren weitergeben wollen, die nach den Wurzeln ihrer Herkunft fragen. (Heribert Diestler in "Begegnungen" 4/2000, S. 46–47, Zeitschrift der Katholischen Lehrer- und Erziehergemeinschaft)

 

Preis: € 21,70
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