Kultur & Tradition

ISBN: 978-3-7059-0231-2
17,5 x 24,5 cm; 288 Seiten; ca. 250 Abb.; geb.

Reifezeiten

Geschichte der Hauswirtschaftsberatung in der Steiermark von 1945 bis 1995

Die Geschichte der Hauswirtschaftsberatung ist ein Mosaikstein zur Zeitgeschichte des bäuerlichen Lebens und der Entwicklung im ländlichen Raum.
Der bäuerliche Mensch hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert und mit ihm der Betrieb. Er ist gewachsen und gereift. Selbstbewusste Bäuerinnen, die ihren „Mann“ stellen und einen modernen Haushalt führen, sind heute selbstverständlich.
Die Beratung und außerschulische Weiterbildung, angeboten von der Landwirtschaftskammer als Interessenvertretung, hat zum heutigen Erscheinungsbild des bäuerlichen Betriebes, des Bauern und der Bäuerin maßgeblich beigetragen. Die Hauswirtschaftsberaterinnen und Berater der Landwirtschaftskammer waren in diesem historischen Zeitraum fast die einzigen und Firmen unabhängigen Informationslieferanten und Entscheidungshelfer für Bauer und Bäuerin. Im Rückblick erscheint so manches für die damalige Zeit selbstverständlich, vieles wurde nach und nach aufgegeben und ist heute wieder „in“ – es wird, auch von Nichtbäuerlichen, z. B. selbst Brot gebacken, Marmelade gekocht, wo möglich der Hausgarten bewirtschaftet. Ein neues Verständnis von Gesundheit trägt zur Wertschätzung überlieferter Kenntnisse und Praktiken bei.
Das Buch „Reifezeiten“ zeigt die verschlungenen Wege der Frauen, die den Beruf „Hauswirtschaftsberatung“ ausübten, die Belastungen, denen sie ausgesetzt waren und die für die Berufsausübung notwendige Weiterbildung sowie Spezialisierung auf. Ausbildungswege, Aufgabenbereiche, Höhen und Tiefen aus dem Berufsalltag werden geschildert und so manche abenteuerlichen Begebenheiten und brenzlige Situation beschrieben. Persönliche Erlebnisse von Beraterinnen entlocken so manches Schmunzeln.

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Rezensionen:

Ökonomie beim Wort genommen. Dora Schafhuber will nicht nur die Geschichte der steirischen Hauswirtschaftsberatung vor dem Vergessen bewahren.

Vorweg: Es ist in der Tat eine bemerkenswerte gesellschaftliche Entwicklung, die nun schon seit Jahren viel beachtet, aber zugleich kaum ernsthaft diskutiert wird. Mit rund einer Generation Verzögerung hat sich die (nicht nur bäuerliche, sondern auch gesamtgesellschaftliche) Sicht der Hauswirtschaft ähnlich fundamental verändert wie zuvor das Verständnis von Landwirtschaft in den zwei Jahrzehnten vom Wiederaufbau bis zur agrarischen Überproduktion. Doch während Letztere - Stichwort: Strukturwandel - zu einem Dauerthema der öffentlichen Auseinandersetzung geworden und bis heute geblieben ist, fristet die Hauswirtschaft nach wie vor ein Schattendasein.
Nicht dass es am nötigen Interesse fehlt, wahrscheinlich haben hierzulande noch nie so viele Frauen ihr eigenes Brot gebacken, ihre eigene Marmelade gekocht oder ihre eigenen Kräuter gezogen wie heute. Zugleich scheint es aber auch immer weniger kochende Frauen und Männer zu geben, deren Qualitäten in der Küche mit denen von Spitzenprodukten wie beispielsweise dem steirischen Rindfleisch mithalten können. Kochsendungen gehören zu den meistgesehenen Fernsehprogrammen, Ratlosigkeit und (Halb)Fertiggerichte prägen hingegen den Alltag in den Küchen, sobald Jamie Oliver und Konsorten abgeschaltet worden sind. Doch der Wandel blieb nicht nur auf unsere Küchen beschränkt, auch „Familienarbeit“ – der Begriff allein ist schon eine Zumutung – klingt in den Ohren vieler mehr nach Belastung als nach Selbstverwirklichung.
Hausarbeit gilt – sagen wir es frei heraus – im gesellschaftichen Alltag nicht gerade als der Inbegriff für ein prestigeträchtiges Leben. Je öfter in der Öffentlichkeit die hohen Managementfähigkeiten von so genannten „Nur-Hausfrauen“ beschworen werden, desto drängender tut sich der Verdacht auf, dass hier Behauptung und Überzeugung weit auseinander klaffen. Und das ist überhaupt keine spezifisch bäuerliche Entwicklung. Parallel zur gesamtgesellschaftlich zunehmenden Berufstätigkeit der Frauen ist auch auf immer mehr Höfen die Jahrhunderte alte Trennung der häuslichen (Bäuerin) und außerhäuslichen (Bauer) Arbeit durchlässig geworden. „Draußen“, dort, wo das Geld zu verdienen ist, gilt viel, „drinnen“, wo es um Haushaltführung, um Erziehung, Pflege und um die Gestaltung der Wohnkultur geht, ist bestenfalls zweite Wahl. So wie viele es vergessen haben, dass der Begriff „Kultur“ ursprünglich vom „Bestellen des Bodens“, vom „Kultivieren“ kommt, weiß heute kaum jemand mehr, dass „Ökonomie“ vom griechischen „oikos“, dem „Haus“ abgeleitet worden ist.
Erinnerungsbuch: Dorothea Schafbauer gehört zu den Glücksfällen von Menschen, die in der Pension noch einmal so richtig durchgestartet haben. Ihr „Seniorenstudium“ hat sie mit dem Doktorat abgeschlossen, regionalhistorischen und -gesellschaftlichen Fragen gehört ihr Interesse. Mit ihrer in NEUES LAND ausführlich besprochenen Arbeit über die Reitingau hat sie bereits bewiesen, dass persönliches Engagement und profunde Wissenschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssen, ihr Beitrag im Kammerjubiläumsbuch ist durchaus hervorhebenswert. Mit ihrer jüngsten Publikation „Reifezeiten“ reflektiert sie ein Stück steirischer Zeit- und Sozialgeschichte, das sie selbst nachhaltig mitgestaltet hat: die Hauswirtschaftsberatung der Landwirtschaftskammer. Und sie stellt schon in ihrer Einleitung fest, dass es dabei nicht nur um eine Dokumentation der Leistungen jener Abteilung geht, die zwischen dem Kriegsende 1945 und dem EU-Beitritt 1995 bestanden hat. „Ihre Geschichte [der landwirtschaftlichen Hauswirtschaftsberaterinnen] wurde niedergeschrieben, damit sie nicht völlig in Vergessenheit gerät.“ Zu oft habe sie nämlich den Eindruck gewonnen, dass Veränderungen wie eben auch das Ende dieser Beratung, ausschließlich mit Fortschritt gleichgesetzt werden. Nein, Schafhuber hat nicht nur eine Geschichte dieser fünf Jahrzehnte vorgelegt, sie hat damit auch ein gesellschaftspolitisches Statement abgegeben. Hauswirtschaftsberatung war immer mehr als Anleitung zur Hausarbeit. Hier wurden die Grundlagen für ein ökonomisch verantwortliches Führen von Haus und Hof gelegt. Die Krise der bäuerlichen Identität, auch sie ist heute ein (zu) wenig diskutiertes Problem, ist auch ein Stück weit mit dem Verlust des hauswirtschaftlichen Bewusstseins verbunden. Man habe nämlich, so Schafhuber im Gespräch über ihr Buch, „bei der Beratung mehr auf die Beziehung als auf das Geld“ geschaut. Lesenswert ist das Buch in jedem Fall, ob als zeitgeschichtliches Dokument oder auch als Infragestellung mancher Ausformungen des Zeitgeistes. (Hans Putzer, in: Neues Land v. 11.11.2005, S. 5)

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Reifezeiten. Geschichte der steirischen Hauswirtschaftsberatung
Die Geschichte der Hauswirtschaftsberatung von 1945 bis 1995 hat die ehemalige Mitarbeiterin in der Abteilung Hauswirtschaft der Landeskammer, Dora Schafhuber, in einem Buch aufgeschrieben. Dieses Buch trägt den Titel „Reifezeiten“ und ist ein Mosaikstein zur Zeitgeschichte des bäuerlichen Lebens.
Die Beratung, angeboten von der Landwirtschaftskammer, hat zum Erscheinungsbild der Landwirtschaft der Bäuerinnen und Bauern maßgeblich beigetragen. Die Beraterinnen und Berater waren in diesem Zeitraum fast die einzigen Firmen unabhängigen Informationslieferanten für diese Berufsgruppe.
Vieles, was damals aufgegeben wurde ist heute wieder „in“, beispielsweise Brotbacken, Marmelade-Bereitung und anderes mehr. Dies führt zu Einkommensverbesserungen, die Produkte werden auf Märkten und in Verkaufsläden den Konsumenten direkt angeboten.
Das Buch – es ist im Weishaupt Verlag erschienen – zeigt die verschlungenen Wege der Frauen, welche den Beruf Hauswirschaftsberatung ausübten, die Belastungen, welchen sie ausgesetzt waren, sowie die für sie notwendige Weiterbildung auf. Geschilderte Beratungserlebnisse entlocken dem Leser so manches Schmunzeln. (in: Landwirtschaftliche Mitteilungen, 1.4.2006, S. 6)

Preis: € 22,00
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