Kunst & Lifestyle

ISBN: 978-3-7059-0271-8
24,5 x 22,5 cm, 84 Seiten, 145 großteils farbige Abb., geb.

Mit Schleier und Palette

Ein Porträt der Altäbtissin Basilia Gürth

Einleitung
Es hat einen ganz besonderen Grund, dass ich Mutter Basilias Zeichnung „Wolf und Lamm, die sich die Hand reichen“ an den Anfang meiner Schilderung einer wahrhaft ungewöhnlichen Frau setze. Als sie mir das Blatt zeigte, dachte ich zunächst, es sei einfach ein Symbol christlicher Liebe, ein Friedensbild sozusagen. Doch je länger ich das Bild betrachtete, mit seinen so gegensätzlichen Tieren und dem Hintergrund, der teils Kirchenfenster und Klostermauern, teils eine weltliche Stadtkulisse zeigte, desto mehr dachte ich: das ist nicht nur eine allgemeine Darstellung der Versöhnung, sondern geradezu ein Symbolbild für die Persönlichkeit von Mutter Basilia selbst!
Sie ist Ordensfrau und Künstlerin zugleich und schafft es, die beiden Welten, die in ihr wohl auch manches Mal miteinander gekämpft haben, friedlich „unter einen Hut“ zu bringen.
Als ich gebeten wurde, die Geschichte der Altäbtissin aufzuschreiben, sah ich es zunächst nur als ehrenvolle Aufgabe, so eine Art Katalogtext zu verfassen. Aber je öfter ich nach Pertlstein fuhr, um mir von ihr erzählen zu lassen, desto mehr war ich in ihren Bann gezogen, und schließlich entwickelte sich das ganze zu einer aufregenden gemeinsamen Reise in die Vergangenheit und das Innere einer unglaublich faszinierenden Persönlichkeit, die ich im Lauf der Zeit in vielerlei Facetten erlebte:

  • als ernste Ordensfrau in der Kirche oder wenn sie von religiösen Dingen sprach,
  • als hochwissenschaftliche Philosophin,
  • als lustige Tierfreundin, die gerne Besucher mit der Frage überraschte, wieviele Krallen eine Katze hat,
  • als weltgewandte geistreiche Gesellschafterin in mehreren Sprachen,
  • als phantasievolle Unterhalterin von Kindern,
  • manchmal als weltoffene Rebellin mit fortschrittlichen Ideen, aber auch als erzkonservative Bewahrerin benediktinischer Klosterregeln und Lebensart, 
  • als Forschende und Suchende, wenn sie sich selber Grundbegriffe in Russisch oder Hebräisch beibrachte, um Inschriften auf Ikonen verstehen zu können,
  • als Handwerkerin, als Künstlerin, vor allem beim Befassen mit religiöser Kunst, der absolut perfekten Vereinigung ihrer beiden Welten.

Bei dieser Aufzählung bekommt man eine Ahnung von der inneren Vielschichtigkeit der temperamentvollen Benediktinerin; aber wie allen interessanten starken Persönlichkeiten muss man auch ihr manche schwierige Eigenschaften, wie einen gewissen Eigensinn oder künstlerischen Freiheitsdrang, zugestehen, die den Umgang mit ihr für manche Menschen vielleicht nicht immer einfach machen.
Man kann sich vorstellen, dass es nicht nur sehr spannend, sondern auch gleichzeitig verwirrend ist, sich in diesem Dschungel an Vielfalt zurechtzufinden. Ich habe versucht, die vielen Puzzleteilchen zu einem überschaubaren Gesamtbild zusammenzufügen und bin Mutter Basilia unendlich dankbar dafür, dass sie mich so liebevoll aufgenommen und mir ihr gütiges Herz so weit geöffnet hat. Die Begegnung mit ihr hat auch meine Seele sehr bereichert.
Kunstwerke bleiben über Jahrhunderte erhalten, aber der Zauber von Künstlerpersönlichkeiten dahinter ist im Laufe der Geschichte leider zu oft der Nachwelt unbekannt geblieben.
Wenn nun bald die Burg Bertholdstein verlassen wird, die über sechzig Jahre die Wirkungsstätte von Mutter Basilia war, davon neun Jahre als Äbtissin, dann ist das der rechte Zeitpunkt, noch an Ort und Stelle ein schriftliches Denkmal zu setzen, bevor die Erinnerungen zusammen mit den alten Mauern im Nebel der Vergangenheit verschwinden.

 

Preis: € 25,00
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